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Slow German #043: Stauffenberg
29. Januar 2009

Gerade ist im Kino der Film „Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat“ angelaufen. Tom Cruise spielt darin die Hauptrolle. Gedreht wurde der Film hauptsächlich in Berlin. Viele der Schauspieler sind bekannte Deutsche. Ich selber werde ihn mir nicht ansehen – und zwar weil Tom Cruise die Hauptrolle spielt. Das ärgert mich. Denn eigentlich sollte der wunderbare deutsche Schauspieler Thomas Kretschmann die Hauptrolle spielen. Doch dann meldete sich Tom Cruise aus Hollywood und schnappte ihm die Rolle weg.

Aber vielleicht ist Thomas Kretschmann heute froh darüber, dass er die Rolle nicht gespielt hat. Denn ich habe viele schlechte Kritiken über den Film gelesen. Dort wird vor allem kritisiert, dass der Film viele Tatsachen falsch darstellt. Historisch ist der Film also nicht korrekt. Außerdem scheint es ein typischer Hollywoodfilm zu sein mit vielen Explosionen, Spannung, Action und aufregender Musik. Ich finde in diesem Fall wäre es sinnvoller, eine Charakterstudie zu machen. Also genauer darauf einzugehen, was Stauffenberg gefühlt, gedacht und geplant hat. Was für ein Mensch er war. Ein paar Fakten will ich Euch hier erzählen.

Sein voller Name war Claus Philipp Maria Schenk Graf von Stauffenberg. Daran merkt man also schon, dass er ein Adeliger war. Nach dem Abitur ging er zum Militär und machte dort Karriere. Er wurde Leutnant, Offizier und Oberst. Er heiratete 1933 seine Frau Nina und sie bekamen fünf Kinder. Politisch war Stauffenberg eher auf der konservativen Seite, war aber nicht gegen alles, was die Nationalsozialisten und der neue Reichskanzler Hitler beschlossen.

Als der Zweite Weltkrieg begann, hatte er verschiedene Aufgaben. 1943 wurde er bei einem Angriff von Tieffliegern schwer verletzt – er verlor ein Auge, eine Hand und zwei Finger der anderen Hand. Immer mehr wächst in ihm der Wunsch, dem Nazi-Regime ein Ende zu machen. Angeblich schon seit 1941. Es gibt unterschiedliche Gründe, die immer wieder genannt werden. Nicht alle waren heldenhaft. Stauffenberg war offenbar gegen eine parlamentarische Demokratie und hatte wohl auch keine wirklich zukunftsweisenden Visionen.

Dennoch arbeitete er mit weiteren hohen Militärs, die meisten von ihnen ebenfalls adelig, einen Plan aus, den Operationsplan Walküre. Mit diesem Plan wollte man gegen innere Unruhen kämpfen. Das war die offizielle Version. Aber in diesem Plan steckte ein Staatsstreich: Hitler sollte ermordet werden, wichtige Befehlshaber verhaftet. Stauffenberg selbst sollte das Attentat ausüben, dann aber eine andere Gruppe dafür verantwortlich machen.

Zwei Mal versuchte Stauffenberg, Hitler zu töten – beide Male musste er sein Vorhaben abbrechen. Beim dritten Versuch deponierte Stauffenberg Sprengstoff in der Nähe von Hitler – bei der Explosion wurden vier Menschen getötet – Hitler und 19 weitere überlebten. Die Operation Walküre scheiterte, Stauffenberg und die anderen wurden verhaftet und erschossen.

Hier in Deutschland wird viel über den Film mit Tom Cruise diskutiert. Zum einen wird kritisiert, dass ein Schauspieler, der offen Scientologe ist, den Hitler-Attentäter spielt. Zum anderen wird aber auch gelobt, dass durch diesen Film auf der ganzen Welt bekannt wird, dass es mutige Menschen wie Stauffenberg gab. Ihr kennt bestimmt auch die Geschichte der Geschwister Scholl (Film: Sophie Scholl - Die letzten Tage) die hier in München Widerstand gegen die Nazis geleistet haben. Wenn Euch Graf Stauffenberg und der Widerstand gegen Hitler interessiert, dann habe ich einen Tipp für Euch:

Es gibt eine gute Seite des ZDF im Internet, also des Zweiten Deutschen Fernsehens, auf der man noch mehr über dieses Thema lesen kann.

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15 Antworten  
BepaX schreibt:
1. Februar 2009

Ich habe mich entschieden Betrieb Valkyrie nicht für einige Gründe zu sehen. Ein, Tom Cruise, zwei, erwartete ich die Hollywood-Behandlung zusehen, die bedeutet, Tatsachen flexibel sind und dass letzt dass die Kritik warnten die Staffenberg-Beweggrund fehlt. Ich denke, dass ein deutscher Schauspieler diese Rolle gespielt haben sollte.

Dirk von diweli.de schreibt:
1. Februar 2009

Hi Annik!
Aus dem Beitrag: “[...] Dennoch arbeitete er mit weiteren hohen Militärs, die meisten von ihnen ebenfalls adelig, einen Plan aus, den Operationsplan Walküre [...]” - kleine Anmerkung. Der Operationsplan Walküre bestand tatsächlich schon zuvor, nur die Gruppe um Stauffenberg arbeitete diesen (älteren) Plan, der ironischer weise Unruhen im Reich während des Krieges unterbinden sollte, zu einem Staatsstreichplan um. Oder besser, modifizierten diesen, mit zusätzlichen Befehlen, zu diesem Instrument. Diese Planungen konnten natürlich erst durchführbar gelingen, als Graf Schenk von Stauffenberg zum Chef des Stabes beim Befehlshaber des Ersatzheeres wurde - Juli 1944.

Gruß, Dirk

Katrin schreibt:
2. Februar 2009

Liebe Annik, toller Podcast. Ich habe ihn meinen italienischen Studierenden in meinem Blog empfohlen. Langsam gesprochen und zum Mitlesen - das ist für viele Deutschlerner, die reguläre Radiosendungen nicht verstehen, ein riesiger Motivationsschub. Bitte mach weiter so.

Gruß Katrin

Håvard Egeland schreibt:
3. Februar 2009

Das ist wirklich ein toller Podcast Annik. Ich fange am Montag mit meiner Praktikumsperiode als Deutschlehrer in Bergen (Norwegen) an. Der Podcast wird sehr hilfreich um den Deutschunterricht spannender zu machen. Wie Katrin sagt: Mach bitte weiter so:-)!

Haoss schreibt:
5. Februar 2009

hi,

ich bin neu in Deutschland und studiere an der Uni. Ich habe gehöhrt, dass man hier Deutsch lernen kann, und ich glaube auch.

Jetet habe ich Problem, die Geschwindigkeit des Leserin ist für mich zu schnell, so soll ich eine langsame Hörtext suchen oder noch zu hören halten?

Ich hoffe, dass jemand von hier mir helfen könnte. oder hat jemand die Möglichkeit, mit mir Deutsch zusammenzulernen?

Vielen Dank und mit freundlichen Grüßen

Haoss kommt aus korea

zhu'en schreibt:
9. Februar 2009

hallo Annik,
ich komme aus China, jetzt lerne ich Deutsch an der Uni. Ich finde deine Podcasts wonderbar! Vielen Danke für deine gute Arbeite! Mach bitte weiter~

UAMW schreibt:
9. Februar 2009

Annik,
ich hoffe, Du schreibst uns etwas uber die Fastnacht.

bing schreibt:
15. Juni 2009

Mir ist dieser Satz aufgefallen:

Ich selber werde “ihn mir” nicht ansehen.

Folgende Dikussion wurde per google gefunden. http://forum.wordreference.com/showthread.php?t=334049

Scheinbar ist die Reihenfolge “mir ihn” grammatisch vernünftig.

Wer hat bessere Argument oder Statement ?

Astrid schreibt:
20. Juni 2009

Hallo bing,

die Satzstellung in der deutschen Sprache ist flexibler als die Satzstellung in anderen Sprachen.
Manchmal kannst Du die Bedeutung eines Satzes ein wenig variieren, indem Du ihn umstellst. Oft gibt es auch mehrere Varianten, die dasselbe bedeuten.

In diesem konkreten Beispiel:
“Ich werde ihn mir nicht ansehen.” ist ein korrekter Satz.
“Ich werde mir ihn nicht ansehen.” ist auch ein korrekter Satz. Die Bedeutung ist gleich. Die erste Variante wird aber häufiger gebraucht.

Du kannst auch “Ihn werde ich mir nicht ansehen.” schreiben. Das ist auch korrekt. Allerdings wird hier das Wort “Ihn” besonders betont. So einen Satz kannst Du benutzen, wenn Du über mehrere gleichartige Dinge (zum Beispiel mehrere Filme) sprichst und im Satz direkt davor über dieses bestimmte Ding.

“Ansehen werde ich ihn mir nicht.” ist ebenfalls ein grammatikalisch korrekter Satz. Die Betonung liegt hier auf dem Wort “ansehen”. So einen Satz benutzt man normalerweise wenn man etwas anderes mit einem Gegenstand tun will oder getan hat, aber eine bestimmte Sache ausdrücklich nicht. Auch in diesem Satz könntest Du “ihn” und “mir” tauschen ohne die Bedeutung zu verändern. Er wäre auch dann immer noch grammatikalisch richtig. Für einen Deutschen würde die Formulierung aber ungewöhnlich klingen.

Liebe Grüße
Astrid

Karl Kuhn schreibt:
20. Juli 2009

Das ganze Getue um Stauffenberg finde ich einfach widerlich und unbegreiflich.

Man sollte bei der Glorifizierung Stauffenbergs - gerade am heutigen 20. Juli 2009 - nicht vergessen, daß am 20. Juli 1944 durch SEINE Bombe 4 Menschen sterben mußten. Ermordert durch SEINEN Sprengsatz! Die anderen Teilnehmer der Besprechung wurden z.T. schwer verletzt.
Der Zeitzeuge Rochus Misch titulierte es mit den richtigen Worten: “Stauffenberg war ein Kameradenmörder”.

Das Gleiche gilt für Georg Elser. Durch die Zündung seiner Bombe (ebenso mittels Zeitschaltuhr wie Stauffenbergs) starben am 8. November 1939 sieben Menschen, sie wurden bei seinem Anschlag getötet, weitere 63 Menschen verletzt/schwer verletzt.
Das sollte - und darf - man nicht vergessen !

Sollte man Mörder zu Helden machen? Und dafür noch mit Denkmälern “belohnen”? In jedem anderen Land der Erde wären diese “Herren” mit der Todesstrafe verurteilt worden.
Gerade am 20. Juli 2009 sollte man den Opfern Stauffenbergs gedenken!

Gerade auf der Internet-Seite “Lerne alles über Deutschland” sollte diese Tatsache nicht verschwiegen werden…

Karl Kuhn

admin schreibt:
21. Juli 2009

Da wir in unserem Land die Meinungsfreiheit schätzen und würdigen, lasse ich diesen Kommentar zu. Ich persönlich distanziere mich aber von Ihrer Meinung, Herr Kuhn. Eine weitere Diskussion möchte und werde ich an dieser Stelle nicht zulassen.

John Campbell schreibt:
6. August 2009

Verzeihung wenn man schon dies gefragt hat, aber was ist die Musik am Anfang Ihrer Rede?

Annik schreibt:
6. August 2009

Das sind Apple-Garageband-Loops.

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